The Future of Energy: Resilienz wird zum Beschleuniger

Die Zukunft vorherzusagen ist unmöglich. Was Unternehmen jedoch beeinflussen können, ist ihre eigene Widerstandsfähigkeit – in Energie, Wirtschaft und digitaler Sicherheit. Genau diesen Fokus setzte unser Event Future of Energy, bei dem Expert*innen und Führungskräfte aus Wirtschaft, Finanzen und Technologie eine zentrale Frage beleuchteten:
Wie können Unternehmen weiter wachsen, wenn Märkte, Netze und Rahmenbedingungen immer weniger planbar werden?
Die Speaker – Jan-Willem de Jong (CEO iwell), Rinke Zonneveld (CEO Invest-NL) und Inge Bryan (Project Lead Resilience, Rabobank) – kamen aus völlig unterschiedlichen Richtungen. Doch ihre Schlussfolgerung war erstaunlich einheitlich: Widerstandsfähigkeit ist kein „nice to have“ mehr. Sie wird zur Grundvoraussetzung für Wachstum. Und zwar nicht nur für Konzerne, sondern für jede Organisation, die heute von Energie, Daten, Produktion oder Logistik abhängt.
Die drei wichtigsten Erkenntnisse dieses Tages:
1. Energieversorgung: Vom Risikofaktor zum Wettbewerbsvorteil
Europa ist wachgerüttelt: Geopolitische Spannungen, volatile Märkte und ein enormer Energiebedarf zeigen, wie abhängig Unternehmen heute sind – vom Netz, von Regulierung, von globalen Entwicklungen.
Diese Abhängigkeit trifft nicht nur Staaten, sondern jede Produktionshalle, jedes Rechenzentrum und jede Logistikkette. Fällt die Energie aus, steht alles still.
Aktuell warten allein in den Niederlanden rund 12.000 Unternehmen auf einen Netzanschluss, mit massiven Auswirkungen auf Kosten, Planung und Wachstum. Auch in Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild: Netzausbau und Genehmigungen sind der Flaschenhals der Energiewende.
Doch genau in dieser Knappheit entsteht auch ein neues strategisches Fenster: Unternehmen, die ihre Energieversorgung selbst absichern, gewinnen Kontrolle und Geschwindigkeit.
Jan-Willem de Jong brachte es auf den Punkt:
“Nachhaltigkeit ist keine idealistische Vision mehr. Sie ist eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.”
Das bedeutet: Nicht warten, bis das Netz sich erweitert. Sondern selbst handeln. Mit lokaler Energieerzeugung, Batteriespeichern und intelligentem Energiemanagement.
Eigenständigkeit wird zum Wettbewerbsvorteil.
2. Wirtschaft: Stabil bleiben, wenn Ressourcen knapp werden
Rinke Zonneveld (Invest-NL) zeigte anhand von Beispielen aus Europa, wie sehr langfristige Investitionsdisziplin über die Stärke eines Landes entscheidet.
Während Länder wie Dänemark oder Belgien konsequent Zukunftsindustrien aufgebaut haben, droht Europa – inklusive Deutschland und Niederlande – in der Energiewende ins Hintertreffen zu geraten. Die Folgen spüren Unternehmen heute schon:
- Netzausbau verzögert Investitionen
- Energiekosten sind schwer planbar
- Projekte werden verschoben
- Wettbewerbsfähigkeit sinkt
Für Unternehmen entsteht dadurch eine klare Weggabelung: Abwarten – oder aktiv eigene Resilienz schaffen.
Rinkes zentrale Botschaft:
“Investiert in eure eigene Widerstandskraft – in Energieautarkie, smarte Wertschöpfungsketten und Zusammenarbeit. Auch wenn die Business-Case-Rechnung heute noch nicht perfekt ist. Nicht zu handeln wird teurer.”
Was hilft? Entscheidend sind enge Partnerschaften zwischen Wirtschaft, Kommunen und Energieakteuren, eine klare Priorisierung bei Investitionen und eine strategische Langfristperspektive statt kurzfristiger Kostendebatten. Wer auf absolute Sicherheit wartet, verliert Zeit. Wer jetzt handelt, gewinnt Vorsprung.
3. Digitale Sicherheit: Energie, Daten und IT sind untrennbar verbunden
Die dritte Perspektive war hochaktuell: Cyber-Resilienz. Inge Bryan zeigte, dass Energieunabhängigkeit auch ein digitales Thema ist – und ein geopolitisches. Sie identifizierte vier kritische Abhängigkeiten: Verteidigung, IT, Rohstoffe und Energie.
Besonders alarmierend: Rund 80 % der europäischen IT-Infrastruktur hängt an US-Providern. Ein politisches Ereignis könnte Zahlungsverkehr, Verwaltung oder Telekommunikation in Europa erheblich beeinträchtigen.
Ihre Kernaussage:
"Energie ist kein Kostenfaktor. Energie ist geopolitisches Kapital."
Wer unabhängig wird – ob Staat oder Unternehmen – verschafft sich Handlungsspielraum. In einer Welt, in der Datenströme wachsen, Industrieprozesse elektrifizieren und Rechenzentren immer mehr Energie benötigen, hängt digitale Sicherheit direkt an der Energieversorgung.
Inge Bryans Appell:
-
Redundanzen schaffen statt reine Effizienzstrategien
-
europäische Alternativen bevorzugen
-
Energieautonomie als Sicherheitsmaßnahme verstehen
-
IT-Infrastrukturen segmentieren, statt zentralisieren
Ohne Cyber-Resilienz gibt es keine operative Resilienz.
Das gemeinsame Fazit: Jetzt handeln – nicht warten
Alle drei Perspektiven führen zu einer klaren Schlussfolgerung: Die Gewinner von morgen sind die Unternehmen, die heute in ihre Widerstandskraft investieren. Nicht erst warten, bis Politik entscheidet, Netze ausgebaut sind oder Förderprogramme greifen, sondern jetzt im eigenen Unternehmen anfangen.
Entscheidend sind dabei drei strategische Säulen: eine verlässliche und möglichst unabhängige Energieversorgung, wirtschaftliche Stabilität durch robuste Wertschöpfungsketten und langfristige Entscheidungen sowie digitale Sicherheit mit echter Cyber-Resilienz und europäischen Infrastrukturen.
Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch Prognosen, sondern durch Handlungsspielräume. Wer heute investiert, baut morgen auf einem deutlich stabileren Fundament.
Video - recap Future of Energy 2025
